Claus Bantzer
Komponist, Organist, Musiker

Pinneberger Tageblatt | März 2011

Roter Teppich für Bach und Bantzer

Barock und Moderne in Vollendung: Die vier Vollblut-Virtuosen des “Ensemble Obligat” überzeugten nicht nur durch ihr absolut präzises Spiel und ihre souveräne Beherrschung anspruchsvollster Werke. Sondern der Zauber des Konzerts von Imme-Jeanne Klett (Flöte), Rodrigo Blumenstock (Oboe), Clemens Malich (Cello) und Anke Dennert (Cembalo) lag vor allem in ihrer Kunst, die komplexen Klangkonstrukte von Altvater Bach bis zu zeitgenössischen Könnern wie Claus Bantzer (Jahrgang 1942) wie lebendige Klangskulpturen quasi dreidimensional in den Raum zu stellen.

... Schon das Programm bewies Raffinesse: Barocke Großtaten aus dem Hause Bach, gewürzt mit ausgesuchten Geniestreichen der Moderne, die sich um die Legende der erfolglosen Jagd des liebestollen griechischen Hirtengottes Pan nach der schönen Nymphe Syrinx drehten.

Enthusiastische Bravo-Rufe gab’s nach der exzellenten Interpretation von Bantzers rasantem Viersätzer “Pan und Syrinx” von 2008 völlig zu Recht. Die wilde, zerrissene Kakophonie der Jagdszenen von Gott und Nymphe, die traumverlorene Melancholie des zweiten Satzes als eine Art “Atempause”, sowie die zarte Anmut der Flöte als Symbol der schließlich verwandelten Nymphe Syrinx – das klang farbig, dramatisch, druckvoll. Das war einfach hinreißend gute Musik, erstklassig gespielt.


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Neue Osnabrücker Zeitung | September 2010

Weltlich, geistlich, jenseitig


Georgsmarienhütte. Auch dafür bietet Musica Viva Platz: für einen Abend voller romantischer Chormusik. Natürlich wurde Felix Mendelssohn Bartholdys „Oh Täler weit, oh Höhen“ durch den volkstümlichen Wolf gedreht – und geht doch immer noch wunderbar zu Herzen. Denn der Harvestehuder Kammerchor befreit die „Sechs Lieder im Freien zu singen“ durch flotte Tempi und feine Artikulation vom volkstümelnden Staub.
Unter ihrem Leiter Claus Bantzer schreiten die 17 Frauen und 13 Männer die deutsche Chorromantik ab, von Schumann und Mendelssohn über Hugo Wolf bis hin zu Max Reger. Mit dessen fünfstimmiger Motette „Ach, Herr strafe mich nicht“ op. 110 Nr. 2 beginnt das Konzert in der Lutherkirche in Georgsmarienhütte.
Hier offenbart der Chor erstmals seine herausragenden Qualitäten, besticht durch die klaren Konturen der Interpretation. Dabei schlägt das Werk überraschende harmonische Haken und ist gekennzeichnet durch die dichte musikalische Faktur. Das alles arbeitet Bantzer fein heraus, stellt Höhepunkte dar, lässt den ersten Teil in einen wunderbar friedvollen Choral münden und schließt die virtuos gestaltete Chorfuge an.
Nach diesem Kraftakt gönnt Bantzer seinen Sängern eine kleine Pause und setzt sich an die Orgel. Dann wird’s weltlich im neogotischen Kirchlein: Mit reizend vielfältigen Gesängen für Frauen- und für Männerchor von Schumann, mit den Liedern von Mendelssohn. Da Beste aber kommt, wie immer zum Schluss: Gustav Mahlers „Ich bin der Welt abhandengekommen“, vom Chorspezialisten Clytus Gottwald für sechszehnstimmigen Chor arrangiert und vom Harvestehuder Kammerchor großartig umgesetzt: nicht geistlich, nicht weltlich, sondern jenseitig.


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Hamburger Abendblatt | April 2008

Kirchenmusikdirektor von “St. Bantzer” im Turmweg geht in den Ruhestand


Claus Bantzer verlässt nach 33 Dienstjahren “seine” Kantorei an der St.-Johannis-Kirche.
Von Marcus Stäbler



Als sich Claus Bantzer vor zwei Wochen mit verdächtig glänzenden Augen bei den Solisten seiner Johannes-Passion bedankte, dürfte sicher eine Portion Wehmut im Spiel gewesen sein – in Anbetracht des letzten großen Konzerts mit “seiner” Kantorei.
Doch neben dem verständlichen Abschiedsschmerz zeigte Bantzers emotionale Reaktion auch eine Eigenschaft, die sein künstlerisches Profil entscheidend geprägt hat: Selbst nach 33 Dienstjahren an der Harvestehuder St.-Johannis-Kirche mit rund 50 Aufführungen allein der bachschen Oratorien ist der scheidende Kirchenmusikdirektor nie in ehrenwerte Routine verfallen, sondern kann sich bis heute tief und schutzlos von der Musik berühren und bewegen lassen: “Diese großen Werke, das bedeutet schon ein wichtiges Stück musikalische Heimat für mich.”
Seine Gabe, das Unsagbare in den Tönen intensiv zu spüren und zu vermitteln, hat den gebürtigen Hessen zu einem charismatischen, mitunter genialen (Moment-)Musiker gemacht, der seine Ensembles regelmäßig dazu bringt, in Konzerten über sich hinauszuwachsen: Wer einmal unter ihm gesungen hat, wird kaum vergessen, mit welcher Suggestionskraft und welchem Vertrauen Bantzer sich in der Live-Situation offenbart und dabei alle Mitwirkenden in seine konkrete Klangvorstellung einzusaugen vermag. Nicht zufällig zählt die Improvisation – die Musik, die im Augenblick entsteht – zu seinen besonderen Markenzeichen: Auch der unverwechselbare, gerne etwas spacige Sound seines Orgelspiels ist dafür verantwortlich, dass die neugotische Kirche am Turmweg im Volksmund gerne “St. Bantzer” genannt wird.



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DIE WELT | 15. Februar 2008

Uraufführung “Geschöpfe des Prometheus”

Grandioser als Prometheus kann man nicht scheitern. An uns Menschen glaubte er und trotzte einem mächtigeren Gott. Das Feuer brachte er uns und wurde von Zeus bestraft, der ihn bekanntlich an einen Folterfelsen im Kaukasus fesselte, bis Herakles seinem Leid ein Ende setzte. Energisch deklamierend brachte uns der Schauspieler Udo Samel am Mittwoch den Mythos in Erinnerung. Er selbst hatte das dramaturgische Konzept für das Konzert der Hamburger Camerata erdacht, nach dem Ludwig van Beethovens Ballettmusik “Die Geschöpfe des Prometheus” von Goethe-Texten und Orchesterepisoden der 1962 geborenen griechischen Komponistin Konstantia Gourzi durchsetzt wurden. Der Chef der Radiophilharmonie Saarbrücken Christoph Poppen hatte die sinfonischen Miniaturen bei Gourzi einst in Auftrag gegeben, und Claus Bantzer brachte sie mit der Camerata nun zur Hamburger Erstaufführung.Wo die Ballettmusik Beethovens wild und unbändig wie eine Oper ohne Gesang erscheint, setzt Gourzi auf verstörte Klangflächen voller Irritationen und aufgestauter Spannung. Marimbaphon und Klarinetten leuchten in einem flirrenden Umfeld auf und werden von schepperndem Blech im Schlagwerk konterkariert. Es klang wie ein Ausflug in die atmosphärischen Weiten des Universums, während Beethoven mit seinen pathetischen Maestosos, zauberhaften Adagios und tänzerischen Allegros die Erdennähe symbolisierte. Unter Claus Bantzers Leitung, das durften wir ja schon oft erfahren, lief die Camerata zu Hochform auf. Solide saßen die Akzente bei Beethoven und sensibel gestaltete das Kammerorchester die Übergänge, auch wenn es von Beethoven zu Gourzi binnen Sekunden umschalten musste.
von hpe
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chrismon | Janaur 2008

Porträt
Improvisationen auf der Orgel: der Musiker Claus Bantzer

Die rotgeklinkerte neogotische Kirche mitten im Nobelstadtteil Harvestehude heißt eigentlich St. Johannis, doch nicht wenige Menschen nennen sie einfach “St. Bantzer”. Denn dann weiß man wirklich, welche gemeint ist. Johanniskirchen gibt es mehrere in Hamburg, Claus Bantzer aber gibt es nur einmal. Seit 1975 ist er Kirchenmusiker an “seiner” Johanniskirche. Bantzer, 65, ist ein Multitalent. Der virtuose Organist und Pianist ist im Jazz und in der experimentellen Musik zu Hause. Gleichzeitig aber liebt er auch die klassischen Aufgaben eines Kantors. So leitet Bantzer zwei der besten Chöre Hamburgs, seinen “großen Chor”, die Kantorei St. Johannis, und den Harvestehuder Kammerchor, der durch CD-Aufnahmen bekannt geworden ist. Mit diesem Auswahlensemble führt er am 26. Januar die Marienvesper des Barockmeisters Claudio Monteverdi auf.
Überregional bekannt wurde Claus Bantzer durch zahlreiche Filmmusiken, zum Beispiel für Doris Dörrie, und durch die von ihm konzipierte Reihe “Kreuzungen”. Darin kombiniert Bantzer Kirchenmusik mit anderen Künsten. Ein Beispiel, das heute vielerorts kopiert wird.
Bantzer stammt aus einer Marburger Künstlerfamilie: Sein Vater und sein Großvater waren Kunstmaler, sein Bruder Christoph ist ein bekannter Schauspieler. Überragend sind Ban tzers Fähigkeiten in der Improvisation. Viele freuen sich allsonntäglich auf das Orgelvorspiel zum Lied nach der Predigt, bei dem Bantzer besonders weit ausholt.
Diese Fähigkeiten sind auch in der neuen Produktion der edition chrismon zu hören. Bantzer bereichert mit seinen Orgelimprovisationen das Hörbuch “Schöne Aussichten”, das jetzt erschienen ist. Es enthält Bibelauslegungen des Theologen und Schriftstellers Fulbert Steffensky, von diesem selbst vorgelesen. Im vergangenen Jahr hatte Bantzer als Pianist die Musik der Paul-Gerhardt-CD “Ich sehe dich mit Freuden an” gestaltet, auf der die Schauspieler Jasmin Tabatabai und Rolf Becker Texte von Gerhardt rezitieren.
Nach Ostern wird Claus Bantzer als Kirchenmusiker in den Ruhestand treten. Natürlich wird ihm der Kantorenalltag fehlen. Andererseits ist er auch froh, dass er viel mehr Zeit für andere interessante Projekte hat – zum Beispiel für Hörbücher.
(Reinhard Mawick)

www.chrismon.de

DIE WELT | 19. Juni 2006, von sth

Protestantenstadl: Breakdance unterm Dach der Kirche

Selten bebt die Johanniskirche am Turmweg wie bei “Move your body! Breakdance & Percussion”, dem aktuellen Beitrag Claus Bantzers ehrwürdiger Reihe “Kreuzungen – Musik Verwoben”. Das ging mit großen Taikotrommeln los, auf denen die vier Schlagwerker des Ensembles ElbtonalPercussion ihren Nachweis führten, daß man nicht aus Japan kommen muss, um mit der Wucht der Trommeln Mauern in furchterregende Schwingungszustände zu versetzen. Dann kamen die fünf Jungs der Breakdance-Posse Street Machine, vier Tänzer und ein Schlagzeuger aus Kiel, und rockten das Haus. Da blieb kein Arm ungerührt, da blieb kein Backbeat unbeklatscht. Zwischendurch reckten die zarten Protestanten und Konzertbesucher die Hände weit in die Luft und machten ordentlich Stimmung, damit die Tänzer immer genau hören konnten, wo der Beat ist. Schön, wie die vier da herumturnten, ihre Kunststücke vollführten. Sehr beeindruckend – und so weltlich. Der Musik steht das Weltliche immer, ihr wird dann so leicht – wenn nach dem Tanze ElbtonalPercussion wieder ins Zentrum rückt und ein herrliches Donnerwetter aus den Trommeln, Marimbaphonen, Klöterdingsen hervorkitzelt, oder wenn Claus Bantzer, der experimentierfreudige Organist der Kirche, selbst die Orgel schmettern und flöten lässt. Eine große Kreuzung, wo die verschiedenen musikalischen Perspektiven sich leicht und wie selbstverständlich verweben. Im großen Finale spielen alle zusammen: Alle Ampeln stehen auf grün, mit Gegenverkehr ist nicht zu rechnen.


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MOPO, 19.06.2006, ARCHIV: »Sankt Bantzer«

Mächtig Wirbel

Wirbelnde Körper vor dem Altar: Im Rahmen der Reihe “Kreuzungen” unter der künstlerischen Leitung von Claus Bantzer feierte man in der St. Johannis-Kirche am Turmweg eine fleischliche Auferstehung der etwas anderen Art.
Tempo, De-One, Ziad und Swift Rock nennen sich die vier Breakdancer von Street Machine, die im hämmernden Rhythmus von Barry Künzels Schlagzeug einen akrobatischen Kampf gegen die Schwerkraft führen – und gewinnen. Locker, als sei es die natürliche Form ihrer Fortbewegung, überschlagen sich die Tänzer, kreisen, nur auf eine Hand gestützt, bäuch- und rücklings über dem Boden.
Echte Rhythmuskanonen sind auch die Musiker des Schlagwerk-Ensembles ElbtonalPercussion. Das komplizierte Gefüge ineinander greifender Rhythmen in Nigel Westlakes “Omphalo Centric Lecture” auf zwei Marimbaphonen ist ebenso mitreißend wie die wild anschwellenden Wirbel auf japanischen Taiko-Trommeln, bis hin zu den sanft sphärischen Schwingungen, mit denen das Ensemble Bantzers Titelmusik aus dem Doris-Dörrie-Film “Paradies” in bezaubernden Klangfarben malt.
Bantzer selbst improvisiert an Klavier und Orgel, atmosphärisch dicht, mit kräftigen Bass-Patterns und fein austarierten Dissonanzen. Sein Konzept, verschiedene Stile und Ausdrucksformen miteinander zu verbinden, hat sich wieder bewährt. Nicht ohne Grund firmiert die Kirche am Turmweg im Volksmund unter dem heimlichen Namen “Sankt Bantzer”. SÖREN INGWERSEN, Ressort: kultur Zum Artike auf www.mopo.de